
In den vergangenen Wochen haben wir mit Schülerinnen und Schülern gesprochen, die gerade von ihren britischen Internaten zurückgekehrt sind: von Wells Cathedral über Lancing College bis King’s Ely. Manche verbrachten nur ein Trimester im Vereinigten Königreich, andere ein ganzes Schuljahr oder sogar zwei. Einige entschieden sich wegen des Sports für ihre Schule, andere wegen des International Baccalaureat, der Musik oder der Größe und Lage des Campus. So unterschiedlich ihre Erfahrungen auch waren - alle kamen mit einem großen Sack voller Erinnerungen zurück, den ihnen niemand mehr nehmen kann.
Wir haben Ihnen die wertvollsten Erfahrungen zusammengestellt:
Freundschaften und Menschen
Fast alle erinnerten sich zuerst an die Menschen, nicht an Gebäude, das Internatszimmer oder das Wetter . Mehrfach wurde erzählt, wie schnell neue Freundschaften entstanden. Manchmal wurde der Grundstein dafür schon am ersten Tag gelegt, weil ältere Schülerinnen und Schüler neue Mitschüler ganz selbstverständlich mitnahmen oder sie anderen vorstellten.
Eine Schülerin machte allerdings auch die Erfahrung, dass der Einstieg in einen bestehenden Jahrgang 11 deutlich schwieriger sein kann als in einer neu zusammengesetzten Sixth Form. Sie kam erst zum Summer Term (also Mitte April) an die Schule. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle anderen Schülerinnen und Schüler schon eingelebt und Freundschaften geschlossen. Sie musste sich als einzige neue Schülerin ihren Platz erst erarbeiten.
Fast alle hoben außerdem die außergewöhnliche Unterstützung durch Lehrer, Houseparents und Matrons hervor. Sie hatten nie das Gefühl, in der Masse unterzugehen, sondern wurden mit echtem Interesse wahrgenommen. Das hören wir übrigens nicht selten: Die enge Begleitung der Schülerinnen und Schüler gehört zu den großen Stärken vieler britischer Internate. Dahinter steckt oft eine einfache Überzeugung, die uns einmal ein Lehrer so erklärte: “Happy pupils will thrive.”
Die größten Überraschungen
Wer seinen gewohnten Alltag hinter sich lässt und für einige Monate in ein anderes Land zieht, entdeckt oft Seiten an sich selbst, mit denen er nie gerechnet hätte. Genau davon erzählten viele unserer Heimkehrer. Ein Schüler reiste wegen des Basketballs nach England und kehrte mit einer neu entdeckten Begeisterung für Musik zurück. Nach einer Masterclass denkt er nun sogar über einen Musik-Leistungskurs nach. Ein anderer begann im Internat fast täglich Golf zu spielen und fand darin ein Hobby, das er auf jeden Fall weitermachen will. Wieder eine andere Schülerin, die sich zu Beginn noch schwer tat und eher zurückhaltend war, entwickelte sich im Laufe von zwei Jahren so sehr, dass sie schließlich zur Prefect und sogar Head of House gewählt wurde. Andere entdeckten plötzlich Fächer wie Business für sich oder schwärmten von besonderen Erlebnissen außerhalb des Unterrichts, wie etwa einer Kunstreise nach Paris.
Akademisch anspruchsvoll
Viele berichteten, dass sie sich zunächst an lange Schultage, den hohen Arbeitsaufwand, den englischen Fachwortschatz und nicht zuletzt die berüchtigten zwei Stunden Hausaufgabenzeit gewöhnen mussten. Besonders in Fächern wie Mathematik oder Biologie war die Sprachbarriere anfangs deutlich spürbar. Eine Schülerin erzählte außerdem, dass sie im Kunstunterricht zunächst das Gefühl hatte, ihren Mitschülern hinterherzuhinken, weil viele bereits seit Jahren an der Schule waren. Mit der Unterstützung ihrer engagierten Lehrer holte sie diesen Rückstand jedoch Schritt für Schritt auf. Rückblickend hatten viele das Gefühl, sich fachlich, sprachlich und persönlich deutlich weiterentwickelt zu haben, manchmal sogar in Fächern, die sie vorher kaum auf dem Schirm hatten.

Nicht alles perfekt
Die Rückmeldungen zeigten auch, dass jede Schule ihre Schwächen hat. Manche Schülerinnen und Schüler hätten sich modernere Boardinghäuser gewünscht, andere kritisierten das Essen, fehlende Freizeitangebote am Wochenende oder ein begrenztes Sportprogramm. Gerade Schülerinnen und Schüler, die erst im dritten Trimester einstiegen, berichteten teilweise von ruhigeren Schulen und weniger Aktivitäten. Auch das Leben im Boardinghaus verlief nicht immer reibungslos. So erzählte ein Schüler, dass er sich ein Zimmer mit vier anderen teilte, während eine Schülerin zunächst mit der einzigen anderen neuen deutschen Schülerin untergebracht war. Positiv war jedoch, dass die Schulen dort, wo es möglich war, auf solche Situationen reagierten und Lösungen fanden, etwa durch einen Zimmer- oder Zimmernachbarwechsel. Solche Punkte gehörten für viele zwar zur Gesamterfahrung dazu, standen am Ende aber selten im Mittelpunkt.
Im Rückblick
Manche ärgern sich, dass sie nicht noch mehr Englisch gesprochen haben, einige bedauerten, nicht länger geblieben zu sein. Fast alle verbanden ihren Rückblick aber mit einem Rat an zukünftige Schülerinnen und Schüler: Chancen nutzen, sich auf Neues einlassen und bis zum Schluss engagiert bleiben. Der wichtigste Rat an zukünftige Austauschschüler: „Be open and embrace the community!“
Für uns sind diese Erfahrungen gold wert und zeigen uns, wo die Schulen ihre Schwächen haben und wo sie wirklich outstanding sind. Klar, die perfekte Schule gibt es nicht. Aber es gibt Schulen, die hervorragend zu einem bestimmten Kind passen. Und genau diese Passung macht aus einem Auslandsjahr diese unglaublich wertvolle Erfahrung. Hier die Schulen, auf denen die Eindrücke dieses Artikels basieren:

An folgenden britischen Internaten haben unsere Heimkehrer ihre Zeit verbracht:
Wells Cathedral School – Die erste Wahl für musikbegeisterte Schülerinnen und Schüler. Chor, Orchester und musikalische Förderung gehören zu den besten in Großbritannien.
Rossall School – Ideal für sportliche Jugendliche, insbesondere mit Interesse an Fußball und einem ausgewogenen Verhältnis von Sport und akademischer Förderung.
Wycliffe School – Eine unkomplizierte Schule zum Ankommen, mit familiärer Atmosphäre, guter Integration internationaler Schülerinnen und Schüler sowie starken Sportangeboten.
Stonyhurst College – Für Schülerinnen und Schüler, die eine außergewöhnlich starke Boarding-Gemeinschaft suchen. Das Jesuiteninternat legt großen Wert auf Gemeinschaft, Persönlichkeitsentwicklung und internationale Perspektiven.
Lancing College – Eine gute Wahl für akademisch ambitionierte Schülerinnen und Schüler, die Wert auf exzellente GCSE- und A-Level-Vorbereitung sowie ein klassisch britisches Schulumfeld legen.
King's Ely School – Ein Traum für kreative Köpfe. Besonders Musik, Theater, Kunst und Textildesign genießen einen hervorragenden Ruf. Gleichzeitig bietet die Schule ein außergewöhnliches Outdoor-Programm und die Nähe zur Universitätsstadt Cambridge.
Milton Abbey School – Eine kleine, familiäre Schule in spektakulärer Umgebung, die durch ihre starke Gemeinschaft, kurze Wege und viel persönlichen Kontakt überzeugt.
