Historic boarding school building with large lawn and classic architecture
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Britische Internate im Profil: Canford School: Ein guter Schritt in Richtung Zukunft

A brunette women with glasses in a black blouse is smiling into the camera Von Nina Slattery

Als Claire Vandvik vom Admissions Team die schmiedeeiserne, schwere Holztür öffnet und uns mit einem strahlenden „Welcome to Canford School!“ hinein bittet, ist der Ton für diesen Besuch gesetzt: altehrwürdige Gemäuer treffen auf bodenständige Freundlichkeit und auf ein emsiges Selbstverständnis, Canford School zu einem rundum schönen Internatserlebnis zu machen. Eigentlich könnte man an dieser Stelle schon aufhören, zu schreiben. Aber das würde diesem Besuch bei weitem nicht gerecht und Sie, verehrte Leserinnen und Leser, würden einen tieferen Einblick und ein paar unerwartete Geschichten über diese wunderbare Schule verpassen. Also spulen wir zurück zum Anfang:

An einem der ersten Frühlingstage dieses Jahres (nach einem typisch englischen Winter, der sich vor allem durch Nässe, Kälte und ganz viel Regen auszeichnete!) fuhren wir in eine der landschaftlich schönsten und ursprünglichsten Regionen Südenglands. Im Navi stand: Canford School, Canford Magna, Dorset.

Internate in Zeiten von KI

Wir sprachen mit Headmaster Chris Wheeler über Erziehung in Zeiten künstlicher Intelligenz, was Schüler antreibt, ein Handy-Mantra, das jeder auswendig kann, und liefen danach mit den sympathischen Oberstufenschülern Sophia (bitte Altenglisch aussprechen: /soˈpʰi.a/) und Ollie (der Sophia einfach nur „So“ nennt – clever!) über das Gelände. Sahen Klassenzimmer, die Bibliothek, das Sportzentrum, einen beeindruckenden Speisesaal und ein Mädchen-Boardinghaus. Ohne Probleme unterhielten uns Sophia und Ollie mit Geschichten von einem echten assyrischen Wandfries bis hin zu selbstgebauten Mars-Rovern und Gedichten am Lagerfeuer. Und nicht zuletzt waren wir im Team alle ein bisschen berührt, als Ollie uns auf die Schönheit des Parks hinwies. Hand aufs Herz: Wie viele 16-jährige Jungen kennen Sie, die Ihnen ungefragt etwas zur Natur erzählen? Und er ist hier nicht der Einzige.

Bald kein Geheimtipp mehr

Beim abschließenden Mittagslunch (leider nicht mit den Schülern zusammen, was wir normalerweise gerne machen) sprachen wir mit den Damen vom Admissions-Team über die Aufnahme von internationalen Schülern. Sie selbst wollten wissen, was die Schule noch besser machen könnte für die deutschen Boarder.

Auf dem Heimweg war klar: Canford wird eine der Schulen in unserem Portfolio, die wir in den kommenden Jahren öfter empfehlen werden. Warum? Weil diese Schule voller Geschichten, freundlicher Menschen und hohen Standards ist und sich nicht zuletzt viele Gedanken um die Zukunft ihrer Schüler macht.

Die Lage

Wer nach Canford School fährt, will wirklich hierher. Das Internat mit seinen 640 Schülerinnen und Schülern liegt etwa zwei Autostunden von London entfernt, eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft. Auch die nächstgelegenen internationalen Flughäfen Bristol und Heathrow sind nicht gerade um die Ecke. Aber natürlich organisiert die Schule den Transport, und Ausflüge in größere Städte wie Southampton oder Shaftesbury sind alle unter einer Stunde erreichbar und werden gerne von den Schülern angenommen.

Zwischen Cream Tea und Supermarkt

Seit 100 Jahren liegt das Internat auf einem weitläufigen, 100 Hektar großen Campus am Rande des kleinen Dorfes Canford Magna. Folgt man dem Fluss Stour, der über das Gelände fließt, gelangt man nach einem schönen Spaziergang nach Wimborne, „wo man seinen Cream Tea trinken kann“, erzählt Claire. Natürlich gibt es dort auch die von Internatsschülern geschätzten Supermärkte. Die Lage ist ideal für Outdoor-Aktivitäten und zudem nicht weit entfernt von der spektakulären Küstenlandschaft Jurassic Coast, die ein UNESCO-Welterbe ist. Das allein ist einer der Gründe dafür, dass Canford School bei den Independent School Parent Awards 2025 zur besten unabhängigen Schule im Süden Englands gekürt wurde. Dazu kommen auf dem Schulgelände neben den klassischen Feldern für Rugby, Cricket, Tennis, Fußball und Hockey auch ein 9-Loch-Golfplatz und ja, der wunderschöne Park.

Großer Name in der Architektur

Ursprünglich war die Schule ein Landgut mit mittelalterlichen Wurzeln, das vom Architekt des Houses of Parliament, Sir Charles Barry, im 19. Jahrhundert zu einem repräsentativen viktorianischen Landsitz umgebaut wurde. In dieser Zeit entstand auch die Great Hall, die heute der Speisesaal ist. Man konnte es den Ladies vom Admissions-Team förmlich ansehen, wie viel Spaß es ihnen bereitete, uns diesen Raum zu zeigen: Denn das war keine Kantine, sondern der Inbegriff hochherrschaftlichen Dinierens! Der hohe Saal wurde von dunklen Holzpanelen umrandet, die mit aufwendigen Schnitzarbeiten verziert waren. Ein enormer, steinerner Kamin und die bemalte hölzerne Deckenkuppel hätten das Filmset für einen alten Schwert- und Degenfilm sein können. Bunt verglaste Fenster und ein riesiger Lüster verliehen dem Ganzen etwas Erhabenes. Und darunter? Da standen die wohl pragmatischsten Stühle und Tische, die ein Speisesaal nur haben kann. Willkommen im Internat! Da blieb nur noch eine Frage: Wie schmeckt das Essen? „Wir haben einen neuen Chefkoch und das Essen ist wirklich lecker“, meinte Sophia.

Diese positive Entwicklung erleben wir immer häufiger, dass Internate mehr auf ausgewogene Ernährung achten und ihre Catering-Firmen austauschen. Gut für die Schüler. Und ja, wir wissen auch, dass die Köche in Canford immer noch das Essen für 640 Schüler zubereiten müssen. Es kann also gut sein, aber schmeckt es wie bei Mama? Bestimmt nicht.

Neue Boardinghäuser im Bau

Auch wenn der Campus recht weitläufig ist, sind Unterrichtsgebäude und Einrichtungen sowie die Mädchen-Boardinghäuser alle gut erreichbar. Die Jungenhäuser liegen einen Spaziergang entfernt und stehen bei unserem Besuch heute nicht auf dem Programm. „Aber der Weg ist nicht zu lang und man hat Zeit, um sich mit seinen Freunden zu unterhalten“, sagt Ollie, der gerne auf dem Campus wohnt.

Neben dem ehrwürdigen Haupthaus wurde gerade noch gebaut. Ende 2026 werden hier zwei neue Boarding-Häuser für die Upper Sixth eröffnet. Bereits jetzt nutzen die Oberstufenschüler den frisch eröffneten „Sixth Form College Hub“: Gemütliche Sitzecken, moderne Ausstattung und Arbeitsbereiche sind in die alte Architektur eingepasst worden und schaffen den Raum, den man braucht, um zu lernen und sich zu erholen. Am Wochenende wird die kleine Bar geöffnet und nach einer intensiven Schulwoche entspannt.

Ein assyrischer Schatz

Das ganze Vorhaben kostet die Schule 20 Millionen Pfund, aber laut Headmaster Wheeler sei man finanziell gut aufgestellt. Ein nicht zu unterschätzender Punkt in Zeiten, da einige Schulen in Großbritannien aufgrund gestiegener Kosten schließen. Dazu muss man sagen, dass nicht jede Schule von sich behaupten kann, dass sie einen assyrischen Schatz verkauft hat:

Im Nineveh Café, dem Treffpunkt für Schokoriegel-, Muffin- und Kakao-Hungrige, zeigten uns unsere Tourguides eine mannshohe Replik eines assyrischen Wandfrieses. „Früher hing hier das Original und Jahrzehnte lang dachte man, es sei eine Gipskopie“, erzählte Ollie. Kein Wunder, dass eine Dartscheibe davor hing, die in den Pausen genutzt wurde. Doch das gute Stück war echt und stammte aus dem Palast von Ashurnasirpal II, im heutigen Irak. Mitte der 90er Jahre wurde der Fries bei Christie’s für über sieben Millionen Pfund versteigert. Eine Rekordsumme für ein antikes Kunstwerk und ein warmer Geldregen für die Schule. Mit dem Geld wurden der Sportbereich und das Layard-Theater finanziert, ein Stipendien-Fond aufgesetzt und jeder Schüler erhielt: einen Schokoriegel!

Noch schmunzelnd über diese Geschichte, schauen wir uns das klassische Layard-Theater an. Es ist nicht das größte und mit seinen 300 Sitzplätzen passt nur die halbe Schule rein, aber es ist perfekt für die aufwändig produzierten Musicals und Theaterstücke, die schon einige Preise gewonnen haben.

Zwischen Bäumen und Handy-Mantra

Unterwegs zum Sportzentrum laufen wir an Bäumen und Narzissenfeldern entlang. Ein hübscher Anblick, den scheinbar auch die Schüler wahrnehmen. Headmaster Wheeler erzählt von einigen „edgy teenagers“, die sich zu seinem Erstaunen in seinem Büro über den Redwood- und den Katasuka-Baum (einem von zwei Bäumen in England) unterhielten. Andere schätzen den Park, um mit Freunden spazieren zu gehen. Dass diese Landschaft so wertgeschätzt wird, könnte mit der Handy-Politik zusammenhängen, die Chris Wheeler wie ein Mantra predigt: „Eyes up, forward and out.“ Wenn der Blick nicht mehr am Handy klebt, kann man sich durchaus wieder für das Leben um sich herum begeistern. Und für das Zücken des Telefons, um einen schönen Sonnenaufgang zu fotografieren, drückt Wheeler - trotz der Regel - auch mal ein Auge zu.

Das Sportzentrum ist gut in Schuss und wird gerade zum Frühsport von älteren Herrschaften aus der Umgebung genutzt. „Hier trainieren auch alle lokalen Clubs“, sagt Ollie. Ein Zeichen dafür, dass die Schule gut in der Region integriert ist.

Obligatorische Lesezeit

In der hellen Bücherei begrüßt uns eine freundliche Bibliothekarin, die sich sehr über mehr deutsche Schüler freuen würde, um ihr Deutsch zu verbessern. Es sind gerade japanische Wochen. Bis Jahrgang 11 gibt es zweimal in der Woche eine verpflichtende Leseeinheit von einer halben Stunde. Da kommt es gelegen, dass die Themenschwerpunkte in der Bibliothek alle 14 Tage wechseln und das Team sich viel Mühe gibt, die Bücher ansprechend zu präsentieren. Ollie liest gerade ein Buch über sein Mathe-Idol Jim Simons, dem Erfinder der „Renaissance Technologies“. Warum auch nicht.

Canford School schafft insgesamt ein sehr ansprechendes Lernumfeld.

Was wir finden, dass Canford School besonders macht

Wer sich auf ein echtes Internatsleben einlassen will, findet an der Canford School alles, was man braucht. Eingebettet in dieses wunderbare Anwesen mit Golfplatz hat es uns zudem mit seinem britischen Flair und seinem akademischen Anspruch angesprochen. Klar ist jedoch, Canford ist keine Schule für Stadtkinder. Das Leben spielt sich hauptsächlich an der Schule ab.

Dazu kommt ein starkes Sportprogramm, das vor allem im Hockey, Cricket, Netball, Tennis und Fußball häufig in die Halbfinal- oder Finalspiele bei Schulwettkämpfen kommt.

Layard Theater ist Spitzenklasse

Nicht zu unterschätzen ist zudem der künstlerische Bereich: Mit dem Layard Theatre verfügt Canford über eine eigene Bühne, auf der regelmäßig aufwändig inszenierte Produktionen - teils auf nationalem Niveau - stattfinden. Gerade das Theater ist im Vergleich zu vielen anderen Schulen außergewöhnlich stark. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche Konzerte und Ausstellungen. 

Die Schüler sind freundlich, bodenständig und offen. Und trotz eines anspruchsvollen und vollen Stundenplans mit einer Menge an Nachmittagsaktivitäten, wirkt hier keiner, als würde es ihn belasten. Im Gegenteil. Und nicht zuletzt weht mit Headmaster Wheeler ein frischer Wind durch die alten Gemäuer.

Das Akademische

Wenn es um das Akademische geht, ist Canford School ein Zugpferd im Südwesten Englands. Im vergangenen Jahr erhielten 71 Prozent die Noten 9-7 bei den GCSE-Prüfungen (Mittlere Reife) und die Ergebnisse der A-Level Prüfungen lagen bei 55 Prozent A*/A. 84 Prozent erreichten A*-B Noten.

Zehn GCSE-Fächer sind der Standard. Eine moderne Fremdsprache sowie zwei Naturwissenschaften sind verpflichtend, darüber hinaus können Schülerinnen und Schüler unter anderem zwischen Fächern wie Business Studies oder Computing wählen. Altgriechisch wird ebenfalls angeboten, allerdings außerhalb des regulären Stundenplans.

Lehrer fördern Ehrgeiz

Zur Vorbereitung auf seine GCSEs hat sich Ollie im vergangenen Jahr mit seinen Freunden einen Seminarraum neben der Bibliothek gemietet und dort gepaukt. Es habe Spaß gemacht, in dieser Atmosphäre gemeinsam zu lernen und von der Schule dabei unterstützt zu werden. „Die Lehrer fördern unseren akademischen Ehrgeiz, aber sie erzwingen ihn nicht“, erklärt Ollie. Er hat gut abgeschnitten in den GCSEs und arbeitet gerade in den Fächern Maths, Higher Maths, Physics und Wirtschaft auf seine A-Levels hin.

In der Sixth Form stehen insgesamt 19 A-Level-Fächer zur Auswahl, zusätzlich können im Bereich Kunst und moderne Fremdsprachen universitätsvorbereitende Kurse belegt werden. Das IB (International Baccalaureate) wird zwar nicht angeboten, einzelne Elemente daraus sind jedoch in das Sixth-Form-Curriculum eingeflossen.

Die poetische Yellow Hour

Mit Unterricht am Samstag, kleinen Klassen von rund 14 Schülern im GCSE-Jahrgang und rund neun Schülern in der Oberstufe, entsteht eine gute und intensive Lernatmosphäre. Wir laufen im Flur des Mathegebäudes an einem Tisch mit fünf Schülern vorbei, ein Lehrer steht am Whiteboard und erläutert eine Aufgabe. Diese Maths Tutorings seien ganz normal, erklärt Sophia. Hier werde in Freistunden vertieft und erklärt. Sie selbst hat Politik, Englisch und Geschichte in ihren A-Levels belegt. Und um das Lernen dafür lebendiger zu machen, gibt es eine „Yellow Hour“, eine außergewöhnliche Poetry-Lesson. „Wir haben uns alle im Wald getroffen und an einem Lagerfeuer Gedichte vorgetragen.“ Solche Momente sind es, die trockene Texte lebendig werden lassen und Lernen zu einem nachhaltigen Erlebnis.

3D-Druck und Mars-Landschaften

Das Design und Technologie Department ist gut ausgestattet und als wir es betreten, arbeiten gerade 3D Printer allein vor sich hin. Mit diesen Maschinen darf jeder arbeiten und es ist spannend zu sehen, wie Millimeter für Millimeter eine Idee zur Realität wächst. In den Regalen stehen viele kleine selbstgebaute Fahrzeuge. „Jedes Jahr gibt es einen Robotics-Wettbewerb, bei dem man einen Mars-Rover entwickelt, der etwas aufheben muss. Er wird dann auf einem ‚Mars-Terrain‘ getestet. Das ist ziemlich cool, weil man natürlich gespannt ist, welcher Rover es schafft“, erklärt Ollie.

Vorbereitung auf Künstliche Intelligenz

Im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz ist es Headmaster Wheeler, der die Wissensvermittlung an seiner Schule auf den Prüfstand stellt. „Wir fragen uns, was wird nach KI noch wichtig sein? Emotionale Intelligenz, Anpassungsfähigkeit, reflektiertes Denken, Engagement und die bewusste Förderung von Menschlichkeit stehen bei uns oben auf der Agenda.“ Das kann man schlecht messen, aber wenn man die Schüler beobachte, sähe man, dass diese Softskills hier wachsen würden. So erzählt Wheeler von zwei Schülern, die bei einem Physikexperiment über exaktes Arbeiten debattierten. „Es war die Art, wie sie dieses Gespräch führten: nicht arrogant und überheblich, weil etwas nicht exakt war, sondern sie kamen gemeinsam und respektvoll zu dem Ergebnis, dass die Kartoffel genau 3 cm lang sein musste“, so Wheeler. Menschlichkeit werde uns in Zukunft von den Maschinen unterscheiden.

Zukunftsplanung

Der Übergang ins Leben nach der Schule wird in Canford sehr bewusst gestaltet. Rund 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler wechseln an Universitäten der Russell Group, darunter Durham, Bristol, Exeter, Manchester oder Bath. Im Jahr 2025 schafften es zudem sechs Schülerinnen und Schüler nach Oxford und Cambridge. Doch der Weg dorthin beginnt nicht erst mit der Bewerbung. Im College Hub der Sixth Form befindet sich das „Futures Pathways Centre for Higher Education“, wo die Schüler frühzeitig dabei unterstützt werden, ihre nächsten Schritte zu planen: sei es ein Studium im In- oder Ausland, ein Degree Apprenticeship (duales Studium) oder ein Vorbereitungskurs auf ein Kunst- und Designstudium. „What you give in, you get out“, sagt Sophia, die zunächst unsicher war, wohin ihr Weg gehen sollte. Doch gemeinsam erarbeitete sie mit ihren Lehrern ihre Zukunfstpläne Richtung Oxbridge und bereitet sich nun darauf vor. In einer Welt, die sich schnell verändert, versteht Canford diese Phase als gemeinsame Aufgabe und unterstützt jeden „Canfordian“ individuell bei der Zukunftsplanung.

Das Außerschulische

Sport spielt eine bedeutende Rolle in Canford School, wenngleich es keine der absoluten Top-Sportschulen des Landes ist. Man gewinnt hier gern, aber man ist nicht verbissen. In 12 Wettkampfsportarten treten rund 550 Schüler bei über 300 Wettkämpfen jährlich an. Bei der Größe des Campus überrascht es kaum, dass sich hier eine beeindruckende Zahl an Rugby-, Hockey- und Cricketfeldern, zwei Kunstrasenplätze, Tennisplätze und zahlreiche Leichtathletikanlagen sowie der 9-Loch-Golfplatz befinden. Sich alles anzuschauen, hätte uns einen halben Tag gekostet. Dafür sehen wir das Sportzentrum - das größte in der Region -, das neben einem Tanzstudio für Yoga und Pilates und zwei geräumigen und lichtdurchfluteten Fitnessstudios auch einen hellen 25-Meter-Pool mit Tribüne umfasst. Ollie ist hier früher häufiger abends schwimmen gegangen, um abzuschalten. Ein Bademeister ist immer vor Ort.

Ab 6 Uhr am Bootshaus

Besonders stark zeigt sich Canford auch im Rudern, das regelmäßig auf nationalem Niveau erfolgreich ist. Die Lage zum Fluß Stour ist ideal: „Ich trainiere zwölf Mal die Woche und bin entweder im Fitness-Studio oder am Bootshaus. In der Woche stehe ich morgens um 6 Uhr für das erste Training auf und bin dann nachmittags und sonntags nochmal hier.“ Für uns ist es schon schweißtreibend, da zuzuhören, aber Ollie macht nicht den Eindruck, dass ihn das enorm stressen würde. Im Gegenteil. Zeit für eine Freundin bleibt sogar auch noch.

Gleichzeitig weiß die Schule, was sie leisten kann: „Wir hatten einen Schüler, der Rugby gehasst hat. Aber dann haben wir ihn Schritt für Schritt an den Sport herangeführt. Er hat mit Touchrugby angefangen, hatte Spaß, wurde besser und spielt heute in der ersten Mannschaft.“ Das sind natürlich die Geschichten, die man gern hört und die Direktoren gern erzählen.

The "Real Tennis"

Das Sportangebot bietet eine große Bandbreite. Doch eine Besonderheit ist der Real-Tennis-Court. Darauf wird die ursprüngliche Form des Tennis gespielt, wie man es im Mittelalter kannte: Fenster, Wände und Schrägen werden bespielt. Canford ist eine der wenigen Schulen in Großbritannien, die das anbieten.

Lampenfieber im Layard Theater

Die Künstlerischen Fächer sind nicht weniger attraktiv: Neben Kunst-Ausstellungen, Töpferei, Metallarbeiten und Modenschauen, schaffen es 100% der Schüler nach der Schule in Portfolio-Kurse zu kommen, die zur Vorbereitung auf das Studium dienen. Das Layard-Theater ist ein zweites, sehr starkes und beliebtes Standbein, wenn es um Fächer und Nachmittagsaktivitäten geht. Mit sechs Produktionen im Jahr und einem eigenen Team im Hintergrund, ist man hier sehr busy. Und das Niveau ist hoch. Glaubt man Wheeler, hat er selten so etwas Gutes gesehen. Und natürlich sind es die Schülerinnen und Schüler untereinander, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen. „Bei der letzten Produktion „The Adams Family“ war ein Mädchen aus unserem Haus dabei“, erzählt Sophia. Und natürlich hätten alle aus dem Haus sie voll unterstützt. Dieses Gemeinschaftserlebnis verbindet über die Bühnenbretter hinweg und das Lampenfieber wird mit ins Boardinghaus gebracht.

Friday Foyers

Mit den „Friday Foyers“ bietet das Theater-Department spontane Auftrittsmöglichkeiten für jeden, der etwas vortragen will. In einer unterstützenden und entspannten Atmosphäre kann sich hier jeder ausprobieren. „Das ist ein Ort, an dem Kinder lernen können, sich zu präsentieren und Softskills zu entwickeln, in einer Welt, die zunehmend digitaler wird“, so Wheeler. Er sähe gern, wenn noch viel mehr Schüler das Theaterspielen in ihren Stundenplan und ihre Freizeit integrierten.    

It's a big thing

Bei einem kurzen Blick ins Musik-Department und dem Konzertsaal, die nach der letzten Veranstaltung „Jazz Night mit Dinner“ wieder hergerichtet werden muss, erzählt uns Sophia von dem eigenen You Tube Kanal „Music at Canford“. Hier findet man den wohl überzeugendsten Einblick in das musikalische Leben an der Schule. Bands, Chöre und Solo-Aufführungen zeugen auch hier von einem hohen Niveau. Besonders für Eltern von internationalen Internatsschülern sind diese Lifestream-Übertragungen sehr wertvoll. „Meine Mutter schickt mir dann Screenshots mit ‚Schau mal, ich seh dich‘“, erzählt Sophia. „It’s a big thing“ - für alle. Hier können Sie mal einen Blick hineinwerfen und sich selbst von der Qualität der Musik überzeugen: Music at Canford 

Abschließend sei noch das beliebte Combined Cadet Force-Programm (CCF) erwähnt, bei dem Schülerinnen und Schüler militärisch geprägte Aktivitäten, Teamarbeit und Führungsqualitäten entwickeln. Die Schule verfügt über eine eigene Schießanlage sowie einen Hindernisparcours, und es gibt die Möglichkeit, Qualifikationen etwa im Motorboot fahren, Tauchen oder Tontaubenschießen zu erwerben.

Das Boarding

Zwei Drittel der Schüler sind Internatsschüler, rund 60% Jungen und 40% Mädchen.  Davon kommen rund 15 Prozent aus dem Ausland, womit klar ist, dass man hier in einem guten britischen Rahmen lebt. 

Von den sieben Boardinghäusern (vier für Jungen, drei für Mädchen) besuchen wir dieses Mal nur das Mädchenhaus Beauford, in dem Sophia mit rund 60 anderen Schülerinnen ab Year 9  zusammenlebt. Auch wenn die offizielle Hausfarbe Pink ist (keine Sorge - es bleibt dezent!) gibt es  neben einer Tischtennisplatte und einem Billardtisch auch genügend gemütliche Sofas mit einer klaren Aufteilung: „Da hinten sitzen die Shells, die 13- und 14-Jährigen. Wir sitzen hier“, sagt Sophia. Die offene Küche lädt zum Kochen ein. Wer sich zurückziehen will, der kann in den Ruheraum mit dem Klavier oder man geht in sein Zimmer. Die Shells schlafen in Vierbett-Zimmern, während die Oberstufen-Schülerinnen Einzelzimmer mit Waschbecken haben. Duschen findet man auf dem Flur.

Peer Mentoring Programm

Das Zusammenleben ist gut organisiert und neben den Hauseltern und festen Teams, die den Alltag strukturieren und im Blick behalten, tragen auch die älteren Schülerinnen und Schüler zum Gelingen einer guten Hausgemeinschaft und Atmosphäre bei. In einem Peer-Mentoring-Programm erhalten sie in einem zweiwöchigen Training viel Wissen, um die Jüngeren beim Ankommen zu unterstützen. Ein System, das funktioniert und die jüngeren Mädchen nehmen das Angebot gern an.

Am Wochenende ist viel los

Am Wochenende bleibt es im Boardinghaus lebendig: Rund 80% der Schülerinnen und Schüler bleiben auf dem Campus, was zu einer spürbar engen Gemeinschaft führt. Viele Tagesschüler kommen sogar für diese Zeit hinzu, um an dem abwechslungsreichen Programm aus Ausflügen, Sport und gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen.

Ein letztes Wort zur Handy-Policy: In der Sixth Form werden die Telefone um 22:15 eingesammelt, die Jahrgänge 9 und 10 haben sie nur zwischen 16:30 und 19:00.

Unser Verdict: Für wen eignet sich Canford School

Canford ist eine durch und durch überzeugende Allrounder-Schule: ein „echtes“ Internat, angenehm bodenständig und zugleich mit solidem akademischem Anspruch. Gleichzeitig wirkt vieles hier etwas entspannter – nicht zuletzt, weil das Assessment nicht übermäßig selektiv ist. 

Hier kann man sich austesten, sei es sportlich, künstlerisch oder akademisch und wird für alles die richtige Unterstützung finden.

Wer sich zudem nach einer idyllischen Landschule sehnt, die groß genug ist, um ein breites Angebot zu ermöglichen, und gleichzeitig überschaubar genug, dass man sich kennt, sollte Canford unbedingt auf dem Zettel haben und nicht zuletzt wegen seiner besonders schönen Lage im Süden Englands.