
Wie sieht der Alltag an einem britischen Internat wirklich aus? Emil hat sein Year 12 an der Rossall School an Englands Westküste verbracht. Er erzählt uns von seinen ersten Eindrücken, vom Unterricht und dem Leben im Boarding House, von Wochenenden mit Freunden, Ausflügen nach Manchester und natürlich von seinen Erlebnissen auf dem Fußballplatz, darunter auch Trainingseinheiten mit Manchester City. Außerdem verrät er, welche Momente ihm aus seiner Zeit in England besonders in Erinnerung geblieben sind.
Hallo Emil, schön, dass du da bist. Stell dich bitte einmal vor.
Ich bin Emil, 17 Jahre alt und wohne in der Nähe von Hamburg. Ich spiele gerne Fußball und habe das vergangene Schuljahr an der Rossall School in England verbracht.
Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Jahr an ein Internat in England zu gehen?
Ich wollte eigentlich schon immer einmal auf ein Internat gehen. Und England hat sich dafür einfach angeboten, vor allem wegen der Sprache. Ich wollte mein Englisch verbessern, weil es an deutschen Schulen natürlich nicht so gefordert wird wie in England. Außerdem finde ich es gut, internationale Freundschaften zu schließen. Deshalb dachte ich mir: Das mache ich einfach mal. Und es war wirklich eine schöne Erfahrung.
Kannst du dich noch an deinen ersten Tag erinnern? Wie war das für dich?
Ja, mein Papa hat mich hingebracht. Wir sind zusammen nach England geflogen. Natürlich war erst einmal alles neu, aber ich habe mich relativ schnell eingelebt. Ich war in einem Boarding House mit wirklich netten Houseparents, also Hauseltern. Die haben mir alles gezeigt und mir den Einstieg sehr erleichtert. Außerdem gab es an der Schule relativ viele Deutsche. Dadurch konnte man schnell Kontakte knüpfen und hatte erst einmal eine Basis.
Hattest du Heimweh?
Am Anfang hatte ich natürlich ein bisschen Heimweh. Vor allem, weil der erste Half Term auch der längste war. Ich glaube, das waren sieben oder acht Wochen. Danach waren es meistens nur noch fünf oder sechs Wochen bis zu den nächsten Ferien. Aber eigentlich hatte ich danach kaum noch Heimweh. Es war als Teenager auch mal schön, von zu Hause wegzukommen. Natürlich habe ich mich trotzdem immer gefreut, wenn ich wieder zu Hause war. Wegen des Essens, wegen meiner Mutter und wegen allem anderen.


Wie sah dein Boarding House aus und wie hast du gewohnt?
Am Anfang hatte ich ein wirklich kleines Einzelzimmer. Später ist aber jemand ausgezogen und ich konnte sein Zimmer übernehmen. Das war dann schon ziemlich groß. Die Zimmer waren insgesamt eher einfach eingerichtet: Bett, Schreibtisch, Schrank; nichts Extravagantes.
Hattest du ein eigenes Badezimmer?
Nein. Manche hatten ein eigenes Badezimmer, aber eben nicht alle. Ich glaube, das war bei uns so geregelt, dass diejenigen, die schon länger an der Schule waren, gewisse Vorzüge hatten. Ich musste die Badezimmer auf dem Flur benutzen.
Hättest du dir manchmal gewünscht, dein Zimmer mit jemandem zu teilen?
Nein, ich fand das eigentlich gut so. Ich war sowieso fast die ganze Zeit mit anderen Leuten zusammen. In meinem Zimmer habe ich hauptsächlich geschlafen oder während der Prep Time (Hausaufgaben-Zeit) gearbeitet. Deshalb war es schön, dort auch mal seine Ruhe zu haben. Die Jüngeren hatten meistens Doppelzimmer, während die Älteren ab Year 12 eher Einzelzimmer bekamen. Und in Year 13 hatten alle Einzelzimmer, teilweise sogar richtig riesig.
Wie waren deine Hauseltern?
Supernett! Frau und Herr Dixon. Frau Dixon hatte sogar einen Bezug zu Deutschland, deshalb war die Verbindung noch einmal etwas leichter. Beide waren wirklich sehr hilfsbereit. Man konnte immer zu ihnen gehen, wenn man etwas brauchte. Das ging alles ganz problemlos. Herr Dixon hat mir zum Beispiel auch bei Physik geholfen. Wenn ich Fragen hatte, konnte ich zu ihm gehen und er hat sich Zeit genommen. Die beiden waren wirklich vorbildlich.
Hast du schnell Freundschaften geschlossen? Und wen würdest du heute noch zu deinen engsten Freunden zählen?
Das hat eigentlich sehr gut funktioniert. Ich hatte wirklich viele Freunde. Einer meiner engsten Freunde war Attiso aus Südafrika. Er hat auch für die Nationalmannschaft im Kongo gespielt. In meinem Boarding House waren nicht so viele Deutsche. Deshalb habe ich dort vor allem mit internationalen Schülern Zeit verbracht. In den anderen Häusern gab es hingegen viele Deutsche, und zum Essen bin ich meistens auch mit ihnen gegangen. Meine engsten Freunde kamen aus Mexiko, China und Südafrika.
Das sind ja sehr unterschiedliche Kulturkreise. Wie hat das Zusammenleben funktioniert?
Eigentlich war das ziemlich einfach. Eine Sache hat uns alle verbunden: Wir haben alle Fußball gespielt. Außerdem waren die anderen schon länger an der Schule als ich und haben mich einfach aufgenommen. JJ aus Mexiko zum Beispiel war schon seit vier Jahren an der Schule und ist inzwischen sogar House Captain geworden. Er ist ein Schüler aus Year 13, der das Haus vertritt und Verantwortung übernimmt. Wir haben alle Englisch gesprochen und hatten wirklich viel Spaß zusammen. Es gab sehr viele lustige Abende.
Gab es auch mal Streitigkeiten?
Eigentlich gab es nicht viel Streit. Natürlich wollte man manchmal einfach allein auf seinem Zimmer sein. Aber ich persönlich hatte mit niemandem größere Probleme oder etwas, das ich unbedingt klären musste. Wenn es doch einmal Streit gab, haben sich die Hauseltern darum gekümmert. Oder auch der House Captain, der das Haus gegenüber der Schule vertritt. Kleinere Dinge konnte man untereinander klären.
Wie war die Gemeinschaft zwischen den fünf Jungen- und drei Mädchenhäusern?
Die war eigentlich richtig gut. Vor allem durch den Fußball hatte man täglich Kontakt zu Schülern aus anderen Häusern. Natürlich kam man mit manchen besser klar als mit anderen, aber insgesamt war die Gemeinschaft wirklich gut. Es gab allerdings feste Regeln. Als Schüler in Year 12 durfte man zum Beispiel nach 22 Uhr nicht mehr aus dem Haus.
Gab es auch Wettbewerbe zwischen den Häusern?
Ja, House Singing war, glaube ich, der größte Wettbewerb. Da haben wir allerdings den letzten Platz gemacht! Außerdem gab es noch House Football. An weitere Wettbewerbe kann ich mich gerade nicht erinnern.


Wie sahen eure Wochenenden aus?
Wir haben gegen Ende des Jahres einmal einen Ausflug nach Manchester gemacht. Dafür brauchte man allerdings eine Genehmigung, eine sogenannte Permission. Die war manchmal etwas schwierig zu bekommen, vor allem wenn man mit einer größeren Gruppe unterwegs sein wollte. Wir sind mit der Bahn nach Manchester gefahren, haben uns die Stadt angeschaut und waren ein bisschen shoppen.
Und was habt ihr sonst an den Wochenenden gemacht?
Samstags durfte man sich immer Essen bestellen. Das war eigentlich das Highlight! Unter der Woche war das offiziell nicht erlaubt. Unser Haus war da aber ziemlich entspannt. Die Hauseltern haben nicht so streng darauf geachtet, ob jemand mit einer Essenslieferung durch die Tür kam. Deshalb haben wir uns auch unter der Woche öfter etwas bestellt.
Das klingt so, als wäre das Schulessen nicht unbedingt das Highlight gewesen.
Na ja, es ging so. Es gab gute Tage und es gab schlechte Tage.
Konntet ihr am Wochenende auch den Campus verlassen und in die umliegenden Orte fahren?
Ja, wir konnten „Town Leave“ bekommen. In der Nähe gab es Fleetwood und Cleveleys. Das sind jetzt keine Weltstädte, aber man konnte sich dort etwas zu essen holen und ein bisschen shoppen. Englische Kleinstädte sind natürlich schon speziell. So wahnsinnig viel gab es dort nicht zu machen.
Und wenn man das ganze Wochenende wegfahren wollte?
Das ging auch, allerdings musste man dafür einen Antrag stellen. Man konnte zum Beispiel nach Hause fliegen oder Besuch von der Familie bekommen und mit ihr einen Wochenendausflug mit Übernachtung machen. So habe ich das einmal gemacht, als meine Familie zu Besuch war. Nach Hause geflogen bin ich selbst nur in den Ferien.
Gab es an der Rossall School Traditionen, bei denen du am Anfang gedacht hast: Wow, was passiert denn hier?
Ja, auf jeden Fall die Chapel. Wir hatten zweimal pro Woche Chapel, also einen Gottesdienst beziehungsweise eine Versammlung in der Kapelle. Als ich das zum ersten Mal erlebt habe, fand ich es schon ein bisschen seltsam. Das hatte für mich fast etwas Sektenmäßiges. Plötzlich standen alle auf, dann wurde gesungen und anschließend hat der Schulleiter noch etwas gesagt. Das war am Anfang wirklich ungewohnt. Aber irgendwann hat man sich daran gewöhnt.
Gab es noch andere Traditionen, die dir besonders aufgefallen sind?
Ab und zu gab es Gedenkminuten. Zum Beispiel, wenn etwas Politisches passiert war, wie ein Anschlag oder sowas. Wir hatten auf dem Campus einen zentralen Platz. Dort stand dann die ganze Schule zusammen und wir haben eine oder mehrere Minuten geschwiegen.
Lass uns über die Unterschiede zwischen Deutschland und England sprechen. Was war im Alltag an der Rossall School anders?
Hier in Deutschland frühstücke ich vor der Schule eigentlich nie. Dafür habe ich meistens keine Zeit. In England war das anders. Da ist man morgens runtergegangen, hat sich mit den anderen getroffen und ist gemeinsam zum Frühstück gegangen. Ich glaube, das war immer so gegen 7:30 oder 7:45 Uhr. Dann hatten wir auch eine richtige Mittagspause. Ich glaube, von 12:40 bis 13:40 Uhr. In dieser Zeit musste man zum Mittagessen gehen, hatte aber insgesamt ungefähr eine Stunde Pause. So etwas gibt es an meiner Schule in Deutschland nicht in dieser Form.
Was war sonst noch anders?
Man war natürlich viel mehr auf sich allein gestellt. Allerdings wurde unsere Wäsche gewaschen. Dafür gab es eine Matron, also eine Mitarbeiterin, die sich im Boarding House unter anderem um solche Dinge gekümmert hat. Aber ansonsten musste man schon vieles selbst organisieren.
Was hat dich am Internatsleben am meisten überrascht?
Wie viel Schule wir hatten! Das hätte ich vorher wirklich nicht gedacht. Der Unterricht begann um 8:30 Uhr und ging bis 16:15 Uhr. Und dann hatten wir abends noch Prep Time, also die betreute Lernzeit, von 18:30 bis 20:30 Uhr. Das war schon ziemlich viel Schule. Vor allem gegen Ende, als die Klausuren anstanden, wurde das auch ganz schön anstrengend.



Wie sah dein Stundenplan aus und welche Fächer hast du gewählt?
Das war jeden Tag unterschiedlich. Ich hatte Business Management, Deutsch, Mathematik als Higher Level, Design Technology, Physik und Englisch. Deutsch und Mathe musste ich auch nehmen, das war Pflicht. Bei den anderen Fächern wollte ich bewusst auch etwas ausprobieren, was ich in Deutschland nicht jeden Tag habe. Deshalb habe ich zum Beispiel Design Technology gewählt.
Was macht man in Design Technology?
Da schaut man sich zum Beispiel an, warum ein bestimmtes Produkt genau so gestaltet wurde, wie es gestaltet wurde. Nehmen wir einen Griff: Warum hat der genau diese Form? Warum wurde er so designt? Für unsere IA, also eine interne Prüfungsarbeit, mussten wir zum Beispiel eine Produktanalyse machen und überlegen, wie man das Produkt verbessern könnte. Wenn man etwa einen Schrank untersucht, muss man überlegen, wie man ihn funktionaler gestalten kann. Dabei geht es auch um Ergonomie. Man schaut sich zum Beispiel unterschiedliche Körpergrößen an und überlegt, wie hoch eine Tür oder ein Griff angebracht werden sollte, damit möglichst viele Menschen ihn gut benutzen können. Das fand ich wirklich sehr interessant.
Wie groß waren die Klassen?
Das hat mich tatsächlich am meisten überrascht: wie klein die Klassen waren! Design Technology war mit Abstand mein kleinstes Fach. Da waren wir nur zu zweit. Das war intensiv!
Das ist ein anderes Lernen als in Deutschland, oder?
Ja, die Lehrer gehen viel stärker auf jeden Einzelnen ein. Das ist natürlich gut. Aber für Leute, die sich nicht gerne melden oder mündlich nicht so aktiv sind, ist das vielleicht nicht immer ganz einfach.
Hattest du ein Lieblingsfach?
Ja, Business Management. Das Fach hat mich am meisten interessiert, und der Lehrer hat den Stoff wirklich gut vermittelt. Ich glaube, wir waren sechs oder acht Schüler in der Klasse. Auch die Themen fand ich interessant, zum Beispiel die Grundlagen der Betriebswirtschaft, Cashflow und solche Dinge. Also alles, was man in einem Unternehmen braucht.
Du hast auch Physik erwähnt. Wie fandest du das?
Physik war wirklich schwer. Die Naturwissenschaften waren generell ziemlich anspruchsvoll an der Schule. Ich weiß nicht, ob das in England überall so ist. Vor allem in Physik gab es sehr viel Mathematik. Das war ich aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt. So viel Mathe hatten wir dort in Physik noch gar nicht gemacht. Das war schon ordentlich.
Wie bist du mit dem Englischen im Unterricht zurechtgekommen?
Am Anfang war es natürlich schwierig, vor allem in den Naturwissenschaften. Da gab es viele Fachbegriffe, die ich nicht kannte. Aber mit der Zeit hat man sich daran gewöhnt und kam immer besser zurecht.
Wie lange hat es gedauert, bis du das Gefühl hattest, dass du sprachlich im Unterricht angekommen bist?
Vielleicht zwei oder drei Wochen. Manche Lehrer hatten natürlich auch noch einen starken Akzent. Das war dann manchmal schwieriger zu verstehen. Aber insgesamt ging das eigentlich ziemlich schnell.
Gab es Fächer, in denen du so große Schwierigkeiten hattest, dass du dir Hilfe suchen musstest?
Nicht direkt. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, habe ich zum Beispiel JJ gefragt. Der war wirklich sehr gut in der Schule und hat mir dann geholfen. Vor allem Physik war schwierig, weil da so viel Mathematik vorkam. Aber ansonsten bin ich eigentlich ganz gut zurechtgekommen.
Hattest du einen Lieblingslehrer?
Ja, meinen Business-Management-Lehrer. Der hat den Stoff einfach super gut rübergebracht. Er hatte auch einen ziemlich starken Akzent, aber das war kein Problem. Wenn man Fragen hatte, hat er immer geholfen. Deshalb war er eindeutig mein Lieblingslehrer.


Kommen wir zu einem Lieblingsthema: Fußball. Das war auch ein Grund für dich, warum du die Rossall School gewählt hast, oder?
Ja, schon. Vor allem das Angebot mit Manchester City sah natürlich ziemlich verlockend aus.
Und wie sah diese Kooperation mit Manchester City aus?
Die Kooperation mit Manchester City fand ich von Anfang an sehr spannend. Sie war auch ein wichtiger Grund dafür, dass ich mich für Rossall entschieden habe. Ich hätte mir aber letztendlich etwas mehr MC gewünscht. Die zwei bis drei Trainingseinheiten bei Manchester City und auch bei einem Spiel gegen Leverkusen dabei gewesen zu sein, waren wirklich cool, aber es hätte gern mehr sein können.
Wie war das Fußballtraining an der Rossall School?
Das war wirklich gut. Sehr gut sogar. Wir hatten fast jeden Tag etwas mit Fußball zu tun. Montags, mittwochs und freitags hatten wir normales Training. Dienstags gab es morgens vor der Schule Gym, also Kraft- beziehungsweise Fitnesstraining, und donnerstags hatten wir nach der Schule Gym. Es war also eigentlich jeden Tag etwas los.
Gegen wen habt ihr gespielt?
Wir haben immer gegen andere Schulen gespielt. Das war eigentlich meistens ziemlich lustig, weil es an den anderen Schulen manchmal auch deutsche Schüler gab. Wenn die dann auf Deutsch geflucht haben, war das schon amüsant. Aber die Spiele waren auch auf einem ziemlich hohen Niveau. Die anderen Schulen wollten natürlich ebenfalls gewinnen und waren entsprechend ehrgeizig. Wir haben jedenfalls nicht immer gewonnen.
Hast du neben dem Fußball noch andere außerschulische Aktivitäten gemacht?
Nein, eigentlich nicht. Dafür hatte ich auch gar nicht so viel Zeit. Die Schule ging bis 16:15 Uhr und manchmal begann das Training schon um 16:30 Uhr. Danach ging man zum Essen und anschließend war schon wieder Prep Time. Da blieb unter der Woche nicht mehr viel Freizeit übrig.
Du warst ein ganzes Jahr an der Rossall School. Was war dein schönstes Erlebnis?
Das war tatsächlich meine Business-Management-Klausur. Es war eine Probeklausur, und ich habe die beste Arbeit aus dem ganzen Jahrgang geschrieben! Da waren ja viele Schüler, die schon seit mehreren Jahren an der Schule waren. Dass ich dann die beste Arbeit geschrieben hatte, war schon ein ziemlicher Ego-Boost. Das habe ich meinen Eltern natürlich auch direkt erzählt. Das war wirklich ein Moment, in dem ich dachte: Wow!
Hattest du auch schlechte Momente?
Ich war einmal richtig krank. Da lag ich ungefähr eineinhalb Wochen flach. Eigentlich wollte ich am Anfang nur ein bisschen Schlaf nachholen. Aber dann wurde ich plötzlich wirklich krank. Ich hatte gefühlt alles, was man sich vorstellen kann. An der Schule gab es zwar ein Medical Centre, aber das war ziemlich weit von unserem Boarding House entfernt. Unser Campus war ja wirklich groß. Ich musste bestimmt 500 bis 700 Meter dorthin laufen. Und wenn man richtig krank ist, macht das überhaupt keinen Spaß. Vor allem nicht bei Regen und Wind. Das war wirklich meine schlimmste Zeit dort.
Wurdest du in dieser Situation unterstützt?
Ja, die Matron kam vorbei. Auch die Hauseltern haben immer wieder gefragt, wie es mir geht und ob ich noch etwas brauche. Wenn ich allerdings Medikamente brauchte, musste ich zum Medical Centre gehen. Wir durften Medikamente nämlich nicht selbst in unseren Zimmern aufbewahren. Im Medical Centre wurde ich dann weiter versorgt.
Wenn du morgen nochmal gehen könntest: Würdest du irgendetwas anders machen?
Ich glaube, ich würde es ziemlich genauso wieder machen. Vielleicht hätte ich früher versuchen sollen, auch mit Schülern aus anderen Boarding Houses mehr Kontakte zu knüpfen. Aber ansonsten war es wirklich eine tolle Zeit.
Hat das Jahr in England auch deine Vorstellungen von deiner Zukunft beeinflusst?
Ich würde auf jeden Fall gerne etwas Internationales machen. Mein Englisch ist jetzt natürlich deutlich besser und ich kann mir gut vorstellen, das später auch beruflich zu nutzen. Aber eine konkrete Richtung habe ich noch nicht. Die hatte ich vorher auch nicht, und das Jahr in England hat daran jetzt nicht so viel geändert. Mal schauen, was sich ergibt.
Denkst du, dass du dich durch das Jahr auch persönlich weiterentwickelt hast?
Ja, auf jeden Fall. Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich reifer geworden bin. Wenn man ein Jahr lang von zu Hause weg ist, muss man einfach vieles selbst machen. Zu Hause wird einem ja doch einiges abgenommen. Im Internat muss man sich um viele Dinge selbst kümmern und auch selbst nachfragen, wenn man etwas braucht. Deshalb würde ich sagen, dass ich reifer und selbstständiger geworden bin. Das sind für mich die beiden wichtigsten Veränderungen.
Abschließend: Was würdest du Jugendlichen empfehlen, die überlegen, an ein britisches Internat zu gehen?
Ich würde es auf jeden Fall empfehlen. Man muss ja nicht gleich ein ganzes Jahr machen, wenn man sich das noch nicht zutraut. Man kann auch erst einmal ein halbes Jahr gehen und dann verlängern. Oder man plant ein ganzes Jahr und verkürzt den Aufenthalt, wenn man merkt, dass es doch nicht das Richtige ist. Das gab es bei uns alles.
Emil, vielen Dank für die spannenden Einblicke, die du uns aus deiner Zeit an der Rossall School mitgebracht hast. Wir wünschen Dir alles, alles Gute für deine Zukunft!
