
Englische Internate im Profil: Drei Worte für das Kent College Canterbury: Pragmatisch, praktisch, gut

Vor kurzem haben wir uns auf den Weg nach Canterbury gemacht, um eine unserer langjährigen Partnerschulen zu besuchen: das Kent College. Nicht nur wir lieben es, mal eben aus London in den Zug zu springen und nach einer knappen Stunde Fahrt Richtung Ärmelkanal im trubeligen Canterbury anzukommen. Auch für unsere Familien - vor allem in Westdeutschland - ist die Lage in Kent vorteilhaft, denn man kann die Kinder mit dem Auto einfach rüberfahren und mit Sack und Pack direkt am Kent College abgeben. Es nimmt zwar ein bisschen das Gefühl der ganz großen Reise, wie man es vielleicht nach Gordonstoun in Schottland oder nach Mount Kelly in Cornwall erleben würde. Aber es macht einiges eben auch leichter und pragmatischer, besonders dann, wenn man mit einem kürzeren Aufenthalt liebäugelt.
Eine runde Sache
Für uns ist KC, wie es hier genannt wird, seit über 20 Jahren ein Garant für Stabilität und solide Internatserfahrung. Und verbunden mit den Möglichkeiten, hier das IB abzulegen, in eine Vielzahl an Aktivitäten einzutauchen und auf dem schuleigenen Bauernhof mit anzupacken, machen das Internat zu einer runden Sache.
Zudem hat sich die Schule seit unserem letzten Besuch positiv weiterentwickelt. Mit dem noch recht neuen Headmaster Mark Turnbull sind nicht nur die Uniformen moderner geworden, auch die Schulwerte sind sichtbarer, und dass hier lieber House Points als Detention Points vergeben werden, dazu erzählen wir später mehr.
Vom Boardinghaus ins Design-Lab
Bei unserem Besuch trafen wir James Stevenson, Head of International Admissions, der uns während eines kleinen Frühstücks mit viel Wissen den aktuellen Stand der Schule schilderte und den Unterschied zwischen Mädchen und Jungen beim Bewerbungsprozess. Gemeinsam mit Clarice aus seinem Team zeigte er uns später einige Boardinghäuser und Einrichtungen. Danach sprachen wir mit dem Director of Studies, Mr. Champion, über das IB, und Mr. Phillips aus dem Design & Technology Department erklärte uns mit Leidenschaft die aktuellen Projekte seiner Schüler.
Verweilen ausdrücklich erlaubt
Es passiert uns bei unseren Besuchen recht häufig, dass wir im Team beeindruckt vor technischen Schülerprojekten oder wahren Kunstwerken stehen bleiben oder innehalten, weil hinter einer geschlossenen Tür jemand an einem Klavierstück übt. Die Zeit verfliegt dabei und nicht selten müssen wir uns danach beeilen, wieder zum Bahnhof zu kommen. In unserem Bericht verfliegt die Zeit auch (versprochen!), und hoffentlich wecken wir Ihr Interesse, sich auf das Abenteuer “Kent College in Canterbury” einzulassen. Es lohnt sich.

Das Setting
Das Internat, 1885 von Methodisten gegründet, liegt im wahrsten Sinne vor den Toren von Canterbury. Denn die mittelalterliche Stadt mit ihren 55.000 Einwohnern ist teilweise noch von einem Burgwall umgeben. Dahinter verbirgt sich neben der prächtigen Kathedrale - übrigens der Bischofssitz der anglikanischen Kirche - ein Mix aus Historie, trendigem Flair und studentischer Energie. Schon am Bahnhof wurde uns klar, dass wir hier eindeutig zu den Älteren zählen!
Wochenenden mit Stadtflair in Laufnähe
Umso besser für die 600 Schülerinnen und Schüler des Kent College und besonders für die internationalen Boarder. Am Wochenende können sie in nur 15 Minuten die Whitstable Road hinunterlaufen und im sicheren und übersichtlichen Umfeld Canterburys die Restaurants, Läden, Kinos und Theater entdecken.
Unschlagbar zwischen Wald und City
Die Lage des Colleges ist perfekt und, wie James es beschreibt, „unique between woods and city.“ Während auf der einen Seite die Stadt und gleich nebenan die University of Kent mit ihren Sportmöglichkeiten liegt, erstrecken sich auf der anderen Seite Felder und Wälder bis hin zum Fischerörtchen Whitstables an der Nordseeküste. Diese Kombination aus Ruhe, Natur und Stadtleben gehört zweifellos zu den größten Pluspunkten der Schule.
Was KC nicht mit erhabenen neugotischen Prachtbauten bieten kann, macht es mit einer Mischung aus pragmatischen Flachbauten und freundlichen, viktorianischen, rotbraunen Ziegelfassaden wett, dazwischen moderne Ergänzungen wie die beeindruckende Great Hall. Der 600 Personen umfassende Theatersaal dient alljährlich im Oktober dem berühmten Canterbury Festival als Aufführungsort für internationale Performances.
42 Nationen, eine Schulgemeinschaft
Die deutsche Flagge am Fahnenmast war am Tag unseres Besuchs nicht nur ein freundlicher Willkommensgruß, sondern ist auch eine Tradition der Schule: Jeden Tag wird für ein anderes Land gehisst, um die 42 Nationalitäten an der Schule zu repräsentieren.
Von dem überschaubaren 32 Hektar Gelände sind ein Drittel dem Sport vorbehalten. Der Hockeyrasen mit Flutscheinwerfern liegt praktisch eingebettet zwischen den Schulgebäuden und Boarding-Houses. Die weiteren Anlagen liegen verteilt, aber alles in guter Gehentfernung.
Werkstatt statt PowerPoint
Wer sich weniger für Sport begeistert, ist im Design & Technology Department bei Mr. Phillips immer willkommen. Eine lebendige, gut ausgestattete und helle Werkstatt bietet genügend Platz für jüngere und ältere Schülerinnen und Schüler, die parallel an Projekten arbeiten. Einige davon sind Vorbereitungen für andere Unterrichtsfächer. „A real cross-over“, wie Mr. Phillips erzählt. Statt einer Powerpoint-Präsentation für einen Vortrag in Englisch wird hier auch schon mal ein mittelalterliches Schwert aus Holz gefertigt. Kein Wunder, dass aus Platzmangel einiges im Lager landet. Das ist zwar schade, aber die Qualität dessen, was wir sehen, spricht für sich.
Lernen mit Stallgeruch
Am Ende der Tour läuft James mit uns zu einem weiteren Aushängeschild des Colleges: Moat Farm, dem schuleigenen, bewirtschafteten Bauernhof, der nur ein paar Gehminuten entfernt liegt. Auf 20 Hektar können die Schüler sich hier um Schafe, Schweine und Pferde kümmern, sich auf eine Karriere als Tiermediziner oder Landwirt vorbereiten, entspannte Zeit mit den Tieren genießen oder Reitstunden nebenan auf dem professionellen Reitplatz nehmen.


Catering mit Kurskorrektur
Nicht alles am Kent College gleicht einer Postkartenidylle: Die Kantine beispielsweise ist recht klein, so dass hier in Schichten gegessen wird. Aber wir haben das Essen probiert und stimmen mit den Schülern überein, dass es “inzwischen” gut schmeckt. Inzwischen - weil aufgrund eines Schüler-Votings das komplette Cateringteam ausgewechselt wurde und nun sehr auf gesunde und leckere Küche geachtet wird: Also kein KFC in KC! Zudem gibt es das helle und schön eingerichtete Schülercafe 1885 Tuck Shop, in dem es Kleinigkeiten und einen guten Blick auf das Hockeyfeld gibt.
Pragmatisch, gepflegt, gut gemacht
Kent College bietet also eine gute Mischung aus Funktionalität und Charme und dabei ist alles ordentlich in Schuss, wirkt gepflegt, sauber, gut organisiert und wird auf jeden Fall von den Schülern und Schülerinnen gut angenommen. Wie gesagt: Pragmatisch, praktisch, gut. Und letztlich wissen wir ja, dass es nicht die frisch gestrichenen und modernen Ausstattungen sind, die einen Internatsaufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Was Kent College besonders macht
Kent College ist eine dieser Schulen, die sofort einladend wirken: freundlich, offen und unaufgeregt. Die Orientierung an methodistischen Werten wie Respekt, Integrität und Gemeinschaftssinn führt zu einer starken Community: Schüler helfen einander, Lehrer kennen ihre Schützlinge gut und auch internationale Schüler finden schnell Anschluss, was sehr wichtig ist, wenn man nur einen kurzen Aufenthalt plant.
Hockey-Herz und Ganzjahressport
Wer leidenschaftlich gern Hockey spielt, wird sich hier besonders gut aufgehoben fühlen. Das liegt nicht allein daran, dass die Sportplätze direkt vor der Haustür liegen, sondern auch die Kooperation mit dem Hockeyclub von Canterbury es erlaubt, dass die Schüler hier das gesamte Jahr hindurch trainieren können. Gleiches gilt für Tennis, das ebenfalls ganzjährig angeboten wird.
Boarding mit Anschluss ans echte Leben
Zudem ist die Lage zur Stadt Canterbury einfach unschlagbar und KC bietet damit einen ausbalancierten Internatsaufenthalt, der nicht fernab der Zivilisation stattfindet, sondern ein Eintauchen in das britische Leben zulässt.
Und natürlich macht die schuleigene Farm die Schule für uns zu etwas ganz Besonderem, das in dieser Art nur wenige andere Internate bieten können.


Das Akademische
Das Kent College kann mit sehr ordentlichen Resultaten für sich werben: 2025 erreichten 42% der GCSE-Ergebnisse die Noten 9–7, 31% der A-Level-Resultate lagen bei A/A* und 59% bei A*–B. Für unsere Familien immer von besonderem Interesse sind die Ergebnisse im IB, dem International Baccalaureat, da es eine attraktive Alternative zum deutschen Abitur bietet: Der Schulabschluss erfolgt ein Jahr früher und dementsprechend ist ein früherer Eintritt in die Universität möglich. 2025 lag der IB-Durchschnitt am Kent College bei beeindruckenden 37 (von 45) Punkten und überstieg damit den weltweiten Durchschnitt um 5.5 Punkte!
IB-Erfolg durch Nähe statt Druck
Die außergewöhnlich guten Ergebnisse erklärt IB-Koordinator Mr. Champion weniger mit Druck als mit Nähe und Flexibilität: Entscheidend sei, seine Schützlinge wirklich gut zu kennen, im engen Austausch mit den Eltern zu stehen und den Lernprozess kontinuierlich anzupassen, da wo es nötig sei. Da sei es von Vorteil, dass mit rund 40 Schülern die IB-Kohorte in Year 12 sehr überschaubar ist. Kleine Lerngruppen sind ebenfalls ein zentraler Erfolgsfaktor: Es kommt vor, dass ein Kurs aus nur sechs Schülern besteht und wenn vier gerade bei Theaterproben oder Sportturnieren sind, wird später gemeinsam nachgeholt. “Wir haben zwar keine große IB-Gemeinschaft, dafür ist sie sehr eng. Keiner wird hängengelassen. Im Gegenteil. Man zieht sich gegenseitig mit und hilft”, so Champion. House Points würden ebenfalls die Motivation bei den Schülern erhöhen. “Ein Schüler, der durch seine Fragen in einem Fach die Klasse auf ein höheres Level bringt, kann für sein Haus Punkte bekommen”, beschreibt Champion einen weiteren Anreiz. Das sei wesentlich effektiver, als für nicht gemachte Hausaufgaben Detention Points zu erhalten.
Klein, intensiv, ambitioniert
Im Jahr vor den Prüfungen verringert sich die Gruppe der IB-Absolventen, wenn die “One-Termer” wieder abreisen. Die Intensität des Unterrichts erhöht sich für die rund 25 Schülerinnen und Schüler, die bleiben. Und das nicht zum Nachteil. Viele gehen nach ihrem Abschluss an sehr gute Universitäten der Russell-Group, hin und wieder nach Oxford und Cambridge. Kent College schafft es damit fast jedes Jahr in die Top 10 der kleineren IB-Schulen.
Sixth Form mit Fokus und Freiraum
Einen weiteren Grund für das gute Lernklima bietet auch der neu gestaltete Sixth-Form-Bereich. Während Koordinatorin Ellie Budd hinter einer Glaswand sitzt und jederzeit ansprechbar in allen Fragen ist, ist der Lernraum modern eingerichtet, die Arbeitsplätze flexibel und es gibt Rückzugsorte, die Lernen, Zukunftsplanung und Erholung miteinander verbinden. Am Billiardtisch spielt gerade ein einzelner Schüler. Ob er sich eine kurze Pause gönnt oder nebenbei Impulsübertragung, Reibung und Drehimpuls durchspielt, bleibt offen. Vermutlich ein bisschen von beidem.
IB oder A-Levels mit inhaltlicher Breite
In der Sixth Form bietet das Internat eine große inhaltliche Bandbreite: Während ein Viertel der Schülerinnen und Schüler sich für das IB entscheiden, wählen die übrigen drei bis vier A-Levels aus dem klassischen Fächerkanon, ergänzt durch Electronics sowie die kürzlich wieder eingeführten Fächer Computer Science und Politics. Besonders beliebt sind Business Studies, Economics, Geographie, Further Maths und Englisch.
Zukunftsplanung mit Struktur
Gute Unterstützung gibt es auch bei der Suche nach passenden Praktika und der Vorbereitung auf die berufliche Zukunft. The Insights and Futures Programme ist ein strukturiertes Programm zur Studien- und Berufsorientierung, das die Oberstufenschüler individuell begleitet und hilft, die nächsten Schritte fundiert zu planen.
Früh bewerben lohnt sich
Die Schule ist nicht selektiv in der Auswahl, aber dennoch sollte man mit der Bewerbung nicht zu lange warten, besonders als Mädchen. “Wenn Mädchen sich für einen Internatsaufenthalt bei uns entscheiden, sind sie sehr organisiert und bewerben sich immer sehr früh, so dass unsere Plätze recht schnell vergeben sind. Bei den Jungen ist das anders: da kann man auch noch später Glück haben, einen Platz zu bekommen”, erklärt James.



Das außerschulische Programm
Das Freizeitangebot am Kent College ist umfangreich und vielfältig. Aus über 60 verschiedenen Angeboten kann man sich in sportlichen und musikalischen, in sozialen, künstlerischen und in technischen Feldern entfalten.
Über 60 Wege, sich auszuprobieren
Wenn es um Sport geht, sind Hockey und Cricket die beiden Aushängeschilder des Internats, gefolgt von Tennis, Leichtathletik, Reiten und Fußball. Die Jungen Hockey-Mannschaft spielt auf “Tier One”-Niveau, also auf der höchsten Leistungsstufe. Sicherlich hat die Einstellung von Alastair Brogdon als Director of Hockey dazu beigetragen. Als zweifacher Olympionike bringt er das Training auf ein professionelles Level.
Ganzjahrestraining dank starker Kooperationen
Hockey und Tennis werden ganzjährig angeboten, wofür die Schule Kooperationen mit Sportclubs in Canterbury geschlossen hat. So können auch internationale Schüler, die nur für ein Trimester kommen, auf jeden Fall trainieren. Das Sportzentrum der Kent University liegt ebenfalls nicht weit entfernt und wird vom Internat genutzt.
Reitsport mit eigenem Team
Wer gern reitet, ist am Kent College ebenfalls gut aufgehoben. Die Schule besitzt zehn eigene Pferde, Dressur und Springen sind möglich, und wer besonders passioniert dabei ist, kann Teil des Teams werden, das regelmäßig bei Wettbewerben der National Schools Equestrian Association (NSEA) antritt.
Vielfalt auf dem Platz
Darüber hinaus gibt es Netball (nur für die Mädchen), Trampolinspringen, Volleyball, Basketball, Rugby, Cricket und Badminton. In kleineren Kursen wird Yoga und Bogenschießen angeboten. Und mit der Ausstattung des Flutlicht beleuchteten Kunstrasens, Cricket-Feldern, Tennisplätzen und einem großen Gelände für Rugby und Leichtathletik, kann hier jeder seine Nische finden, ganz gleich, ob er auf hohem Leistungsniveau oder nur zur Erholung Sport machen will.
Mehr als ein Schulbauernhof
Was nur wenige Schulen im Programm haben, ist ein eigener Bauernhof. Wenn alle Tiere im Stall sind, dann gibt es hier Sussex-Rinder, Schweine, Schafe, Hühner, Enten, Kaninchen und manchmal sogar Alpakas. Während die jüngeren Jahrgänge wöchentlich Unterricht auf dem Bauernhof erleben, können die Älteren den Farm Club besuchen und sich entweder um die Tiere kümmern oder auf das große Event hin trainieren: “The Kent County Show”, die offizielle Landwirtschaftschau in der Region. “Dann stehen unsere Schülerinnen und Schüler schick hergerichtet mit unseren Tieren zwischen all den Bauern mit ihren Kühen und Schafen und bekommen einen ersten Eindruck davon, wie es in dem Bereich zugeht”, erzählt James schmunzelnd. Zu Weihnachten wird der Bauernhof zum “Stall zu Bethlehem” und zwischen echten Tieren werden Lieder gesungen und die Weihnachtsgeschichte vorgetragen. Laut James ist das eines der bewegendsten Ereignisse im Schuljahr.


Musik mit Kathedralenmoment
Musik spielt natürlich nicht nur auf dem Bauernhof eine Rolle, sondern vielmehr im Music Department, das sehr gut ausgestattet ist: Übungsräume, zwei große Proberäume, ein Tonstudio, zwei Konzertflügel, Harfe und ein Orgelwerk stehen hier für Proben bereit. Dazu gibt es zahlreiche Ensembles: von Orchester, Jazzband, Concert Band über Chöre für verschiedene Altersstufen bis hin zu Kammermusik, Folk, Saxophon- und Flötengruppen. Chor-Touren durch Europa gehören auch dazu. In den vergangenen Jahren ging es nach Krakau, Wien und Venedig. Doch für viele Schüler ist das Weihnachtssingen in der wunderschönen und imposanten Kathedrale zu Canterbury eine der besten Erinnerungen. Es lohnt sich also, zum Wintertrimester hier anzufangen.
Bühne frei
Mit 15 Theaterproduktionen pro Jahr, sind auch die Performing Arts nicht zu verachten. Wir konnten leise bei den Proben des Year 10 zu dem zeitkritischen Stück “Generation FOMO” zuschauen, die auf einen spannenden Theaterabend hoffen ließen.
Mitmachen ausdrücklich erwünscht
Was uns besonders gefällt: Die Schule lebt von Beteiligung. Schülerinnen und Schüler werden ausdrücklich ermutigt, sich regelmäßig für Clubs, Teams und Projekte zu melden und viele machen mindestens zwei Aktivitäten pro Woche. Das dient nicht nur dazu, Neues auszuprobieren und Freundschaften zu knüpfen; es wird auch im Schulbericht festgehalten und kann später bei der Bewerbung an Universitäten ein echter Pluspunkt sein. Wer hier mitmacht, profitiert also gleich doppelt: im Alltag und auf dem Zeugnis.
Wochenenden mit eigenem Takt
Am Wochenende wechselt der Rhythmus: Samstags findet kein Unterricht statt, stattdessen stehen vielfältige Clubs, sportliche Angebote und Ausflüge auf dem Programm. Sonntags wird es dann ganz entspannt. Der ausgedehnte Brunch ist für viele das soziale Highlight der Woche.
Klare Handyregeln
Seit Headmaster Turnbull 2022 übernommen hat, verfolgt die Schule eine klare und konsequente Handyregelung. Für die Jahrgänge 7 bis 11 sind Mobiltelefone während des Tages und in den Hausaufgabenzeiten tabu; ab Year 10 dürfen sie nachts behalten werden. In der Sixth Form sind die Regeln gelockert, und, wie wir erlebt haben, werden sie von den Schülerinnen und Schülern gut akzeptiert.

Das Boarding
1885 lebten gerade einmal drei Internatsschüler auf dem KC-Campus. Heute ist daraus eine lebendige Boarding-Gemeinschaft mit rund 210 Boardern geworden, die sich auf fünf Häuser verteilen. Etwa 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Ausland.
Neues Boarding-Konzept mit Sixth-Form-Fokus
Seit dem vergangenen Jahr hat sich im Boarding-Konzept einiges getan. Eines der bisherigen Jungenhäuser wurde in das gemischte Sixth Form Boarding House Elfick für die Jahrgänge 12 und 13 umgewandelt. Ergänzt wird dieses durch zwei Häuser für Mädchen und zwei für Jungen. Haus Elfick hat Gemeinschaftsräume und eine Küche, während Mädchen und Jungen auf getrennten Fluren wohnen. Ein kleines Detail am Rande: Die Mädchen haben es hier etwas komfortabler, denn auf ihrem Flur verfügen fast alle Zimmer über ein eigenes en-suite Bad, während bei den Jungen nicht jedes Zimmer diese Ausstattung bietet.
Elfick House als Social Hub
„In diesem Jahr hat sich Elfick House zu einem echten Social Hub entwickelt“, erzählt James. Schülerinnen und Schüler aus den anderen Häusern kommen regelmäßig vorbei, es wird gemeinsam gekocht, gelernt und diskutiert. Aktuell leben drei Schüler aus Thailand im Haus, und wenn sie in der Küche stehen, zieht der Duft durch das ganze Gebäude.
Internationales Zusammenleben mit System
KC achtet bewusst darauf, dass sich Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Nationalitäten ein Zimmer teilen. Das Ziel ist klar: Englisch soll Alltagssprache sein. Einige Häuser wurden in den letzten Jahren bereits modernisiert, mit neuen Badezimmern und frisch gestalteten Gemeinschaftsräumen. An anderen Stellen ist noch Luft nach oben.
Guildford House: sportlich geprägt
Ein Beispiel ist das Jungenhaus Guildford, das wir ebenfalls besuchen. Funktional, pragmatisch eingerichtet, mit allem, was man braucht, auch wenn es an einigen Stellen etwas müde wirkt. Doch mit Linden Lockhart ist der Head of Sport zugleich Housemaster des Jungenhauses und man kann sich vorstellen, dass hier niemand viel Zeit auf den Zimmern verbringt. Wenn der Sportplatz ruft, wird die Einrichtung nebensächlich.
Wesley House: Erfahrung und Entwicklung
Im Mädchenhaus Wesley treffen wir Housemother Lisa, die seit beeindruckenden 28 Jahren an der Schule ist. Ihr Credo: Man arbeitet sich hoch. Wer neu ist, teilt sich zunächst ein Zimmer, doch spätestens in der Sixth Form kann man sich in die eigenen vier Wände zurückziehen und den Luxus eines En-suite-Bades genießen.
House Points: Werte statt nur Leistung
Ein fester Bestandteil des Boarding-Alltags sind die House Points, ein Belohnungssystem, das vielen deutschen Familien zunächst fremd ist. House Points werden nicht für reine Leistung vergeben, sondern für gelebte Werte: Engagement, soziale Unterstützung, Neugier im Unterricht oder besonderen Einsatz für die Gemeinschaft. Und was bekommt man dafür? „Nun, hin und wieder gibt es Amazon-Gutscheine“, erzählt Mr Champion. Wichtiger als der materielle Anreiz, sei jedoch die Haltung dahinter: Anerkannt werde nicht Durchschnitt, sondern Einsatz.
Boarding mit Programm und Stadtnähe
Auch außerhalb des Unterrichts bleibt das Boarding-Leben abwechslungsreich. Abends und an den Wochenenden gibt es ein breites Aktivitätenangebot: von Backen über Basketball bis hin zu Bogenschießen oder Spaziergängen. Und natürlich gehört auch die Nähe zur Stadt dazu: Am Wochenende geht es gern nach Canterbury, ein klarer Pluspunkt für viele Schülerinnen und Schüler.


Für wen eignet sich das Kent College?
Aus unserer Erfahrung eignet sich Kent College besonders gut für kurze Aufenthalte. Ein Term – maximal zwei – ist ideal. Wer nur einen Term plant, sollte früh entscheiden: Insgesamt stehen lediglich 18 Plätze für Ein-Term-Schüler zur Verfügung. Die Nachfrage ist entsprechend hoch, denn Kent College bietet genau das, was viele Familien für einen begrenzten Zeitraum suchen: einen echten Einblick in das britische Schulsystem, ohne Überforderung, dafür mit Substanz.
Raum für Allrounder und Talentsucher
Kent College passt hervorragend zu Allroundern, ebenso wie zu Schülerinnen und Schülern, die ihre besondere Stärke vielleicht noch nicht gefunden haben. Die Schule nimmt sich Zeit, genau hinzuschauen, Potenziale zu erkennen und gezielt zu fördern. In kleinen Lerngruppen entsteht ein Umfeld, in dem man sich ausprobieren darf - akademisch, sportlich und kreativ.
Ein stimmiger Rahmen für die eigene Entwicklung
Wer eine freundliche, überschaubare und strukturierte Schule sucht, mit guter Gemeinschaft, einer hervorragenden Lage zwischen Natur und Stadt sowie einem breiten Angebot jenseits des Unterrichts, ist am Kent College genau richtig.