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21 November 2017
by Ferdinand Steinbeis


Englische Internate im Fokus: Eton College, das berühmteste Jungeninternat der Welt

Guten Tag aus Oxford!
Vor zwei Wochen hatte ich das Vergnügen, Eton College zu besuchen.
Ja, genau – DAS Eton College, der schulische Nährboden von unzähligen britischen Staatsmännern und Politikern, die Alma Mater von nicht weniger als 19 Premierministern und vielen, vielen Mitgliedern des Königshauses wie z.B. Prinz William und seinem Bruder Harry. Aber auch DAS Eton College, das als eindrucksvolle Kulisse von Hollywood-Filmen diente wie zum Beispiel „Chariots of Fire“ (zu dt. „Die Stunde des Siegers“) oder „The Madness of King George“ (dt. „in Königreich für mehr Verstand“).
Ich war schon immer sehr neugierig auf diese berühmteste aller Schulen. Schließlich nimmt sie unter allen Top-Eliteschulen der Welt einen fast schon mythischen Rang ein.
Deshalb wollte ich unbedingt herausfinden, was eigentlich dran war an diesem Super-Internat.
Slough Road – sie führt zum Eton College
Natürlich versteht es sich von selbst, dass Eton gerade jetzt im Zeitalter des Brexit einen sehr zwiespältigen Ruf bekommen hat. Man hatte die Schule schon immer dafür kritisiert, Kaderschmiede einer politischen Elite zu sein, die mit dem „normalen Volk“ nichts mehr gemein habe. Das stimmt heute mehr denn je: Sowohl der für das Brexit-Referendum verantwortliche Ex-Premierminister David Cameron als auch der momentane britische Außenminister und Ober-Brexiteer Boris Johnson sind in Eton zur Schule gegangen.
Allerdings macht man sich in Eton nicht besonders beliebt, wenn man diese beiden Namen erwähnt. Ich selbst habe es nicht darauf ankommen lassen.
Die eindrucksvolle Kapelle von Eton College
Aber vor meinem Besuch im College nahm ich mir fest vor, alle Vorurteile zu vergessen und die Schule total unvoreingenommen zu besichtigen. Für diese Einstellung wurde ich dann am Ende tatsächlich belohnt – und war beeindruckt. Jetzt weiß ich nämlich, dass in Eton hochintelligente, unprätentiöse, fortschrittliche Lehrer arbeiten und generell eine Atmosphäre herrscht, die offen ist für Neuerungen und Veränderungen.
Mein Begleiter bei der Führung durch die Schule war Dror Yuravlivker, der ausgesprochen sympathische Leiter der Fachabteilung Geschichte. Er hat mir das College-Gelände gezeigt, das älteste Klassenzimmer von Eton und die in Holz geschnitzten Namen aller ehemaligen Schüler, genannt Old Etonians.
Der älteste Klassenraum von Eton – die Bänke stammen aus dem 15. Jahrhundert!
In jeder Beziehung Platz Eins!
Wie nicht anders zu erwarten, hat Eton College in akademischer, sportlicher und künstlerischer Hinsicht ein überwältigendes Spektrum an Aktivitäten für die Schüler zu bieten. Die akademischen Prüfungsergebnisse können sich entsprechend sehen lassen: 79% der Jungen schließen ihre A-Level-Prüfungen (die dem deutschen Abitur entsprechen) mit den Bestnoten A/A* ab. Bei der Mittleren Reife (den so genannten GCSEs) haben im Jahr 2016 sogar unglaubliche 95% der Schüler diese Traumnoten geschafft.
Im Sport ist die Auswahl natürlich auch riesengroß: Es gibt Mannschaften für Fußball, Cricket, Rugby, Rudern …was auch immer – in Eton wird es angeboten.
Aber ich war ganz besonders beeindruckt von der Ausstattung der Fachabteilungen für Kunst und Theater. Das Arts Department ist sauber, geräumig und bietet einen wunderschönen Blick über die Sportanlagen der Schule. Bei meinem Besuch war eine Malerei-Klasse gerade intensiv beschäftigt und hinter großen Leinwänden kaum auszumachen. Im Drama Department ging es dagegen hoch her. Hier lief die Probe zu einem Stück von Tom Stoppard, und was ich in meinen fünf Minuten dort zu sehen bekam, war wirklich imponierend!
Die Namen der Old Etonians wurden früher in Holz eingraviert…
Eton’s Altsprachler – Darunter ein gewisser berüchtigter Außenminister…(Tipp:1981)
Bread Pudding und die Zukunft der Pädagogik
Nach der Führung war es Zeit fürs Mittagessen. Es gab Chicken Kiew und Bread Pudding (sehr lecker!) für Dror und mich – und zu unserer großen Freude setzte sich James Stanforth zu uns, seines Zeichen Leiter des IT-Fachbereichs und Etons hauseigener Chefdenker in Sachen Pädagogik (falls es so etwas gibt).
Wir hatten eine faszinierende Diskussion über die Frage, ob britische Internate ihre Schüler eigentlich ausreichend auf die Anforderungen von heute vorbereiten. Fähigkeiten wie Durchsetzungskraft, Mut, Selbstvertrauen und Problemlösungs-Kompetenzen – die inzwischen ja lebenswichtig sind – werden praktisch nur nebenbei unterrichtet und sind nicht Bestandteil des normalen Lehrplans. Wir sprachen darüber, wie Eton gezielt versuchen könnte, derlei so genannte „soft skills“ in den Schulalltag einzuführen und den Jugendlichen zu vermitteln. Meine zwei Gesprächspartner hatten sich ganz offenkundig schon viele Gedanken zu diesem Thema gemacht und ich habe mit allergrößtem Interesse vernommen, was bisher so passiert ist, seit Eton versucht, die Theorie in die Praxis umzusetzen!
Die Unterkünfte der Jungen – auch hier keine goldenen Wasserhähne
Dror nahm mich dann auch in eines der insgesamt 25 (!) „boarding houses“ mit. In den Zimmern sind immer Jungen aus unterschiedlichen Altersgruppen untergebracht, wobei die Älteren die Jüngeren sozusagen unter ihre Fittiche nehmen.
Die Räumlichkeiten bestanden zumeist aus einfachen, einigermaßen ordentlichen Zweibettzimmern. Es gab auch ein paar Einzelzimmer, die aber auch alle kaum anders aussahen als die Schlafräume in anderen Internaten.
Die Schüler nehmen ihre Mahlzeiten immer in ihrem jeweiligen „house“ ein. Die Hauseltern und Lehrer sind beim Mittag- und Abendessen dabei.
Ein typischer Speisesaal in Eton – sieht genau so aus wie sonst wo
Zusammengefasst
Eton ist ein unglaublich eindrucksvolles Internat, das Tradition und Geschichte ausstrahlt, wo immer man auch hinschaut. In mancher Hinsicht ist es eine außergewöhnliche Schule und in anderer eine ganz normale – so wie viele Internate in Großbritannien. Gleichzeitig aber wird Eton geführt von einer Gruppe sehr fortschrittlicher und in die Zukunft denkender Pädagogen. Sie bemühen sich mit all ihren Kräften darum, den Schülern eine ganzheitliche, anspruchsvolle und gleichzeitig auch spannende Ausbildung zu bieten, die sie perfekt auf das 21.Jahrhundert vorbereitet.
Bis bald
Ihr
Ferdinand Steinbeis
Ein paar Fakten zu Eton:
  • Schulgeld: £12,910/pro Term
  • 79% der Schüler erhielten bei den A-Level-Prüfungen 2016 die Bestnoten A*/A
  • 1300 Jungen, allesamt Internatsschüler
  • Als Unterkünfte stehen insgesamt 25 “boarding houses” zur Verfügung
  • 20% der Oberstufenschüler bekommen einen Platz an den Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge
  • Die Schuluniform besteht aus einem schwarzen Stresemann, einer Weste und Nadelstreifen-Hosen
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