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Bülow Blog

Englische Internate und der Brexit - ein Interview mit Oakham School

Ferdinand Steinbeis

Guten Tag!

Hier ein weiteres Interview aus unserer Serie "Englische Internate und der Brexit".

Dieses Interview fand zwischen unserem Geschäftsführer Ferdinand Steinbeis und Simone Lorenz-Weir, Direktorin der Oberstufe an der Oakham School, statt

FS: Simone, wenn Sie sich zurückerinnern, wie würden Sie die Atmosphäre an Ihrer Schule am Tag nach dem Brexit-Referendum beschreiben?

SLW: Sie können sich wahrscheinlich denken, dass wir alle sehr, sehr überrascht waren. Man könnte sogar sagen schockiert!

Ich fand es dann aber richtig rührend, wie sich die gesamte Schulgemeinschaft dann um alle europäischen Mitarbeiter und Schüler gekümmert hat. Alle wollten ihre Kollegen und Mitschüler wissen lassen, dass der Ausgang der Abstimmung keinerlei Einfluss darauf hatte, wie sie empfinden und wie sie die Welt sehen.

Und dabei ist es auch geblieben. Wir leben und arbeiten hier nach dem Motto: „Ja, wir sind uns bewusst, dass es passiert – aber für uns hier in Oakham macht das Ganze keinen Unterschied!“

Um das zu unterstreichen, möchte ich Ihnen noch folgendes sagen: Ein paar Tage vor dem Referendum haben wir hier an der Schule eine kleine interne Abstimmung durchgeführt – und, das wird Sie kaum überraschen, natürlich hat die überwältigende Mehrheit für einen Verbleib in der EU gestimmt.

 

FS: Was wird sich denn nach Ihrem bisherigen Kenntnisstand durch das Brexit-Votum für Internate in Großbritannien allgemein und für Oakham im Besonderen ändern?

SLW: Ich würde mich hier gern kurz zu den wichtigsten Fragen äußern.

Wird es eine Visumspflicht geben?

Kurze Antwort: Das wissen wir noch nicht. Zu diesem Thema ist bisher sehr wenig geschrieben oder gesagt worden.

Wir können aber zumindest jetzt schon mit Sicherheit erklären, dass sich höchstwahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren nichts ändern wird. Die Brexit-Verhandlungen sollen ja gerade erst anfangen und werden sich lange hinziehen.

Sollte dann aber tatsächlich eine Visumspflicht eingeführt werden, dann werden wir hier in Oakham alles in unseren Kräften Stehende tun, um die Bewerbungen von EU-Schülern zu unterstützen. Wir lassen unsere Familien nicht allein. Und ich bin sicher, dass das für alle anderen Internate im Land auch gilt.

Warum ich das glaube?

Erstens, weil es in unserem eigenen Interesse als Schule liegt. In Oakham gibt es seit 1973 Schüler aus der ganzen Welt. Damals war Großbritannien noch gar nicht Mitglied in der EU. Ausländische Jugendliche sind fester Bestandteil unserer Schule – und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern!

Zweitens, vergessen Sie bitte nicht, dass wir ausländische Schüler, die nicht aus EU-Staaten kommen, schon seit langem bei ihren Visumsanträgen unterstützen. Wir haben darin sehr, sehr viel Erfahrung. Sollte die britische Regierung tatsächlich auch die Visumspflicht für EU-Schüler einführen, dann können wir problemlos auf unsere langjährige Erfahrung und unsere bisherigen Mittel zurückgreifen.

Drittens darf man nicht vergessen, dass wir schließlich nicht allein sind. Oakham gehört zu einer sehr eng miteinander vernetzten Gruppe von Top-Internaten und Organisationen, die gemeinsam das erstklassige Niveau unserer Ausbildung und den freien Zugang zu dieser Ausbildung garantieren. Wir bemühen uns ständig um eine intensive Zusammenarbeit mit der Boarding Schools Association, dem Independent Schools Council und HMC/GSA ???? sowie alle zusammen mit dem British Council. Und all diese Institutionen sind sehr stark daran interessiert, dass sich am „Business“-Faktor der Internatsausbildung im UK nichts ändert.

Wird die Qualität der Ausbildung leiden?

Auf gar keinen Fall.

Wir sind eine Privatschule. Das heißt, wie stellen unseren Lehrplan selbst zusammen und entscheiden selbst, wie wir unterrichten. Oakham war eine der ersten britischen Schulen, die das IB eingeführt haben – und wir sind zu 100 Prozent entschlossen, den IB-Lehrplan weiterhin auf höchstmöglichem Niveau zu unterrichten.

Daran wird der Brexit nichts ändern.

 Wird sich die Schulgemeinschaft von Oakham ändern?

Wenn überhaupt, werden wir sogar noch enger zusammenrücken!

Oakham war schon immer eine Schule, an der sich Schüler und Lehrer für einander verantwortlich fühlen und sich um einander kümmern. Das ist uns nach der Brexit-Abstimmung mehr denn je klar geworden. Es war zum Beispiel sehr interessant, wie unsere britischen Schüler auf den Brexit reagiert haben. Sie waren voller Mitgefühl für ihre europäischen Freunde und haben alles nur Erdenkliche unternehmen, um ihnen zu helfen. Man hatte fast das Gefühl, dass das, was passiert war, ihnen allen peinlich war!

Außerdem ist Oakham seit jeher eine Schule mit einer globalen Vision – in einer der ersten IB-Schulen im Land basiert das sehr stark auf einer globalen Perspektive. Wir beschäftigen über 40 ausländische Mitarbeiter. Die meisten kommen aus der EU. Sie arbeiten bei uns als Lehrer oder Hilfskräfte – oder so wie ich als Direktorin der Oberstufe!

All das gehört bei uns zur DNA, es wird sich also nicht ändern.

Sonst noch was?

Ja, eine positive Entwicklung darf man nicht vergessen: Das schwache Pfund sorgt dafür, dass die Kosten für einen Internatsaufenthalt jetzt um 15 % gesunken sind. Damit Eltern davon in vollem Umfang profitieren können, können sie jetzt sämtliche Gebühren im Voraus auf einmal bezahlen.

Und dann gibt es hier in Oakham noch eine Besonderheit: Unsere Schüler können durch uns eine private Krankenversicherung abschließen. Sollten EU-Bürger also irgendwann einmal Probleme mit der Anerkennung ihrer Krankenversicherung durch den staatlichen Gesundheitsdienst bekommen, dann sind unsere Schüler automatisch privat versichert.

 

FS: Können Sie besorgten Eltern, die einen Internatsaufenthalt ihres Kindes im UK ins Auge fassen, einen Rat geben?

SLW: Ich würde ihnen raten, ganz pragmatisch vorzugehen. Erst einmal sollten Sie die Gründe für einen Internatsaufenthalt im UK noch einmal ganz genau abwägen.

Dabei geht es doch in erster Linie um die Qualität der Ausbildung – und die bleibt schließlich vom Brexit völlig unberührt, sei es, ob das nun das Eintauchen in eine englisch-sprachige Umgebung betrifft oder einfach nur die positive Erfahrung, in einem anderen Land zu leben. All das wird nach wie vor der Fall sein.

Internate wie Oakham sind aufgeschlossene, in die Zukunft ausgerichtete Orte, die einen intellektuellen Gedankenaustausch fördern und für eine multi-kulturelle Gesellschaft eintreten.

Bleiben Sie also unbesorgt – aus unserer Sicht wird der Brexit keinen Unterschied machen.

 

FS: Würden Sie uns zum Schluss vielleicht auch noch Ihre persönliche Meinung sagen?

SLW: Mehr denn je bemüht sich Oakham darum, eine offene, aufgeschlossene pro-europäische Schule zu sein.

Wir praktizieren das in der Schule, aber auch außerhalb. Zum Beispiel organisieren wir jedes Jahr eine große Anzahl von Ausflügen auf den europäischen Kontinent. Dabei stehen Besuche auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs auf dem Programm, Ski-Trips, Fahrten zu kulturellen Veranstaltungen u.ä. Wir raten allen Schüler, sich um Praktika im Ausland zu bewerben. Und all das unternehmen wir in der Hoffnung, unsere Beziehungen zu Europa zu vertiefen.

Zum Schluss aber auch noch eine Bemerkung zur aktuellen politischen Lage in vielen Teilen der Welt: Wir bemühen uns nach Kräften, das politische Bewusstsein unserer Schüler zu schärfen. Dazu tragen z.B. viele politische Diskussionen bei oder Wahlen, die wir hier an der Schule nachspielen. Dann gibt es natürlich auch bei uns die Model-United-Nations-Veranstaltungen; außerdem laden wir häufig auch interessante Redner zu Gast-Vorträgen ein. Es ist ungeheuer wichtig, dass unsere Schüler sich dafür interessieren, was derzeit in der Welt geschieht!